Nach einer regnerischen Nacht fanden wir uns mit ungewohnt warmer Kleidung um neun Uhr morgens vor dem Eingang zur Höhle von Postojna ein. Die Kleidung war dem Umstand geschuldet, dass die Temperatur innerhalb der Höhle maximal 10°C beträgt.
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Wir waren sehr ge- spannt, was uns erwar- tete, denn die Höhle gilt als Hauptattraktion Sloweniens, ist die zweitgrößte, für Touristen zugängliche Höhle der Welt und man fährt mit einer Bahn ins Innere.
Diese Bahnfahrt führt nicht etwa durch Tunnel in die eigentliche Höhle, sondern der offene Zug rauscht zwei Kilometer weit durch miteinander verbundene Tropfstein-Hallen bis zu einem im Berginneren liegenden Bahnsteig, ab wo es dann per pedes weiter geht. Auf der fußläufigen Strecke, welche zwei weitere Kilometer durch das Höhlensystem führt (Insgesamt hat die Höhle eine Ausdehnung von 21 km), wurden wir von Führern begleitet, wobei nach Sprachen getrennte Gruppen gebildet wurden.
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Die Kinder nutzten den Umstand, dass unsere Führerin deutsch sprach, um ihr Löcher in den Bauch zu fragen und gemeinsam mit ihr immer neue Figuren in den Gesteinsformationen zu erkennen.
Auf der linken Seite seht ihr den schiefen Turm von Pisa und rechts einen großen Ballen Zuckerwatte. Letzterer wächst nicht mehr, da das Wasser aufgehört hat, an dieser Stelle zu tropfen, und hat begonnen, zu kristallisieren, weshalb das ihn schon immer besonders machende Weiß anfängt, zu glitzern.
Wir sahen Spaghetti-dünne Stalagtiten, die in einer Höhle zu tausenden von der Decke hingen, eine komplett weiße Höhle und eine eher rote Höhle, winzige Stalagtiten von nur etwa einem Zentimeter Länge (Die “erst” siebzig Jahre alt waren) und riesige Stalagmiten und –maten (Der größte Stalagtit der Höhle ist acht Meter hoch und Millionen von Jahren alt).
Es gab auch haufenweise Gebilde, die aussehen, wie im Wind flatternde Vorhänge. Diese entstehen dort, wo die Wand schräg verläuft. Der vom tropfenden Wasser transportierte Kalk bildet dann keine spitzen Zapfen, sondern dünne, gewellte Flächen.
Besonders gespannt waren die Kinder auf die Grottenolme, welche in den Tiefen der Höhle leben (Tiefe ist hier tatsächlich abwärts gemeint – die Höhle hat drei Stockwerke, im untersten fließt das Wasser, das vor Jahrmillionen die oberen Stockwerke schuf).
Natürlich stiegen wir nicht zu den im dunklen Nass lebenden Tieren hinab. Zur Besichtigung war unterwegs im Halbdunkel ein Aquarium aufgebaut, in welchem man einige der lichtempfindlichen Lebewesen beobachten und ihre durchaus seltsame Körperform betrachten konnte.
Die Kinder waren so fasziniert von den wurmartigen, vierbeinchenigen Tierchen (die 12 Jahre ohne Essen klar kommen), dass sie sich im Souvenirladen mit Stoffexemplaren ausstatteten (Deren Knuddelfaktor zwar durch die Körperform begrenzt, aber doch sicherlich höher, als jener der Originale, ist).
Nach einer weiteren Bahnfahrt konnten wir in der Nähe des Ausgangs noch einen Blick auf den Fluss werfen, der mit unvermindertem Eifer weiter Höhlen in den Fels wäscht – das aktuelle Stockwerk soll wohl in einigen zehntausend Jahren fertig gestellt sein…